E. T. A. Hoffmann

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E. T. A. Hoffmann (Ernst Theodor Amadeus, eigentlich: Ernst Theodor Wilhelm, * 24. Januar 1776 in Königsberg; † 25. Juni 1822 in Berlin) war ein Schriftsteller der Romantik, Jurist, Komponist, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist.

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Leben

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1776 bis 1799

Hoffmanns Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits waren Juristen. Sein Vater, Christoph Ludwig Hoffmann war Advokat in Königsberg in Preußen und heiratete 1767 seine Cousine Luise Albertine Doerffer. Ernst Theodor Wilhelm war das jüngste von drei Kindern. Die Eltern trennten sich 1778, die Mutter zog mit ihm zu ihren Verwandten, zwei Tanten und deren Bruder, die alle unverheiratet geblieben waren und sich in der Pflicht sahen, den Jungen mit zu erziehen.

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Der Freund fürs Leben

Hoffmann besuchte die Burgschule in Königsberg. Ihn verband eine innige Freundschaft mit seinem Klassenkameraden Theodor Gottlieb von Hippel (1775-1843), den er 1786 kennen gelernt hatte. Von Hippel war der Freund, der Hoffmann unterstützte, ermahnte und der ihm wie ein großer Bruder war. Auch in späteren Jahren blieb diese Freundschaft durch Briefwechsel erhalten, obgleich Hoffmann manchmal argwöhnte, Hippel habe sich von ihm ein Stück distanziert. Denn obwohl beide fast gleich alt waren, war es Hippel – nicht zuletzt auch wegen seiner adeligen Herkunft – beschieden, die Juristenausbildung rascher zu durchlaufen. Überdies kam er 1796 in den Genuss einer großen Erbschaft, die ihn zum Majoratsherrn ausgedehnter Besitzungen im westpreußischen Ort Leistenau machte. In den Jahren 1809 bis 1813 war die Verbindung zwischen beiden sogar abgebrochen. Aber immer wenn Hoffmann Hilfe brauchte, war auf den Jugendfreund Verlass: Hippel schickte Geld, wenn es benötigt wurde und stand Hoffmann in schwierigen Situationen bei. Auch war er es, der am Ende bei Hoffmann am Sterbebett saß und hierüber notierte:

„Dass ich sein Freund gewesen, fühle ich seit seinem Tode mehr denn je. Ohne oft mit ihm Briefe zu wechseln, war ich gewohnt, ihn mir nahe und unzertrennlich von mir zu denken, und von einer Zukunft zu träumen, die uns an einem gemeinschaftlichen Wohnort vereinigen sollte. Auch bei ihm war dieser Gedanke eine feste Einbildung geworden, deren Erfüllung der Tod nun hinausgeschoben hat.“

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Der Ausklang des „Sturm und Drang“

Was auf den jungen Hoffmann nicht ohne Eindruck geblieben ist, war der Zeitgeist der ausklingenden „Sturm und Drang“-Zeit. Zu diesem zählte das Aufkeimen einer ungezähmten Literaturbegeisterung in Deutschland. Viele Werke des 18. Jahrhunderts, darunter GoethesDie Leiden des jungen Werthers“ und Rousseaus „Bekenntnisse“ wiesen den Weg: Nicht länger waren es nur Bücher mit Bildungsanspruch, die Wertschätzung verdienten. Der Unterhaltungsroman wurde gesellschaftsfähig. Das "Erleben" durch die Literatur beflügelte die Fantasie: Zu den „Viellesern“ dieser Zeit gesellten sich die „Vielschreiber“. Wer sich zum Romancier berufen fühlte und einen Verleger fand, publizierte sein Schaffen. Schiller beklagte den Anbruch eines „tintenklecksenden Säkulums“. Goethe ließ einige Jahre später seinen „Wilhelm Meister“ räsonieren: Wieviel Menschen schreiben, davon hat man gar keinen Begriff. Von dem, was davon gedruckt wird, will ich gar nicht reden.“ Friedrich Schlegels Erwartung, es gebe bald keine Leser sondern nur noch Schreiber, parodierte Jean Paul in seinem „Schulmeister Wutz“. Und der bekennende Trivial-Autor August Lafontaine (1758 – 1831) witzelte, er schreibe schneller, als er lesen könne, weshalb er auch nicht alle Romane kenne, die er geschrieben habe.

Von den vielen Entwicklungen im 18. Jahrhundert ist noch eine Besonderheit zu erwähnen, die prägend für Hoffmanns literarisches Schaffen war: Mit der Gründung der Freimaurer kamen Geheimbünde wieder in Mode. Zu den bekanntesten, die sich im gleichen Jahrhundert bildeten, zählen der Bund der Rosenkreuzer (er wurde wieder aufgegriffen) sowie der Illuminatenorden. Daneben gab es zahlreiche kleinere Geheimbünde. Allen war gemeinsam der Reiz, dass sie im Verborgenen agierten und dass in einem Bund Kenntnisse vorhanden sein sollten, die nur innerhalb der Geheimgesellschaft weitergegeben werden durften. Auch dies gab ausreichend Stoff für eine literarische Verarbeitung. Die Existenz von Geheimgesellschaften wurde in „Geheimbundromanen“ aufgegriffen und ihr „heimliches unheimliches“ Treiben fantasievoll ausgeschmückt. Das Strickmuster war oft gleichförmig: Ein junger Held gerät unversehens in die Hände einer geheimen Macht, die Einfluss auf sein weiteres Werden oder Verderben nimmt. Ein Werk, das sowohl Hoffmann wie auch seinen Zeitgenossen Ludwig Tieck aufgewühlt hat, trug den Titel „Der Genius“ und stammte von Karl Gross. Hoffmann selbst soll als 20Jähriger zwei Geheimbundromane verfasst haben, da sich aber kein Verleger fand, blieben sie in der Schublade und gingen später verloren. Seine „Serapionsbrüder“ greifen dieses Genre wieder auf. Das Motiv, ohne eigene Steuerungsmöglichkeit einer fremden – und zumeist bösen – Kraft ausgeliefert zu sein, hat Hoffmann in vielen seiner Stücke immer wieder zum Hauptthema gemacht.

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Studium und erste Liebe

Aus familiärer Tradition begann Hoffmann 1792 das Studium der Rechte in Königsberg. Nebenbei widmete er sich dem Schreiben, Musizieren und dem Zeichnen und gab Musikunterricht, unter anderem einer Schülerin namens Dora Hatt. Sie war 9 Jahre älter als er, verheiratet, hatte bereits 5 Kinder – und sie war in ihrer Ehe unglücklich. Hoffmann verliebte sich unsterblich, wagte es aber erst 1794, sich seinem Freund Hippel anzuvertrauen. Dieser riet ab. 1796 – Dora hatte mittlerweile ihr sechstes Kind geboren – geriet die Situation fast außer Kontrolle, denn es existierte ein Nebenbuhler, mit dem Hoffmann öffentlich in Streit geriet, was der Königsberger Gesellschaft nicht verborgen blieb. Auf Zureden Hippels beschloss Hoffmann, der sein erstes Staatsexamen 1795 erfolgreich beendet hatte, Königsberg zu verlassen und seine Vorbereitung für das zweite Staatsexamen in Glogau anzugehen.

Am 20. Juni 1798 bestand Hoffmann sein zweites Staatsexamen mit der Note „überall ausnehmend gut“. Diese hervorragende Leistung öffnete ihm den Zugang zu einem Referendariat am Ort seiner Wahl, sie sollte auf Berlin fallen. Theaterbesuche sowie Versuche an der Komposition von Singspielen nahmen Hoffmann gefangen, so dass er seine dritte Staatsprüfung, das Assessorexamen, erst am 27. März 1800 ablegte, dieses Mal mit der Note „vorzüglich“.

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1800 bis 1806

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Ein Karnevalsscherz mit Folgen

Schon im Mai 1800 wurde Hoffmann Gerichtsassessor in Posen. Das verschlafene Städtchen, das zu der Zeit zu Preußen gehörte, wurde von preußischen Staatsdienern und Angehörigen des preußischen Militärs verwaltet. Die Deutschen kannten sich untereinander, was nicht hieß, dass sie befreundet waren. Hier lernte Hoffmann die Polin Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska kennen, die er 1802 heiratete.

An Karneval des Jahres 1802 tauchten bei der großen Fastnachtsredoute der preußischen Kolonie plötzlich maskierte Personen auf, die Karikaturen auf hochrangige Vertreter der Stadt an die Gäste verteilten. Die bekannten Gesichter von Generalmajoren, Offizieren und Angehörigen des Adelsstands waren eindeutig identifizierbar und diese Personen auf den Bildern in lächerliche Posen gesetzt. Der Spaß währte solange, bis die Verhöhnten davon Kenntnis erlangten.

Die „Übeltäter“ wurden zwar nie gefasst, aber die Obrigkeit war sich schnell einig, dass dahinter eine Gruppe von jungen Regierungsbeamten stecke, der Hoffmann angehörte und der sein zeichnerisches Talent für diese unerhörte Aktion zur Verfügung gestellt hatte. Hoffmann, der in diesem Jahr zum Regierungsrat befördert werden sollte (und sich erhoffte, vielleicht nach Berlin oder zumindest in eine weiter westlich gelegene Stadt geholt zu werden), erhielt zwar die Beförderung, zugleich aber auch einen als Sanktion gedachten Versetzungsbefehl in das noch kleinere, noch östlicher gelegene Städtchen Plotzk.

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Im Bann der Musik

Die Jahre in Plotzk sowie die in Warschau, wohin er sich im März 1804 hinversetzen ließ, standen ganz im Zeichen der Kompositionsversuche. Interessanterweise litt Hoffmanns juristische Arbeit nie unter seinen Nebenbeschäftigungen, er hatte immer lobende Dienstzeugnisse.

Insbesondere in Warschau – das nach der dritten polnischen Teilung 1795 Preußen zugeschlagen war, erlangte Hoffmann den Ruf eines kunstfertigen Musikers, wenngleich nur auf lokaler Ebene. Einige seiner Singspiele, ebenso wie seine Sinfonie in Es-Dur wurden öffentlich aufgeführt. Als Organisator des Musiklebens gründete Hoffmann die „Musikalische Gesellschaft“, die sich Veranstaltungen von Liebhaberkonzerten und die Ausbildung von Laienmusikern zur Aufgabe machte. In Warschau lernte er den Juristen Eduard Hitzig kennen, der fortan zu seinem engsten Freundeskreis zählen und einer seiner wichtigsten Berater werden sollte.

Preußens politischer Schulterschluss mit Russland hinter dem Rücken Napoleons führte in einen Krieg mit Frankreich. Preußen wurde von der französischen Armee regelrecht überrollt. Am 28. November 1806 marschierten die Franzosen in Warschau ein. Die preußischen Regierungsbeamten waren mit einem Schlag stellungslos. Als die französischen Behörden alle in Warschau verbliebenen Beamten vor die Alternative stellten, entweder auf Napoleon den Huldigungseid abzulegen oder aber binnen einer Woche die Stadt zu verlassen, entschied Hoffmann sich für die Abreise.

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1807 bis 1818

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Neue Wege

Hoffmann hatte sich entschieden, die Amtsstube hinter sich zu lassen und Künstler zu werden. Während seine Frau und seine 2-jährige Tochter Cäcilia 1807 nach Posen zogen, versuchte Hoffmann, in Berlin Fuß zu fassen. Doch nichts wollte gelingen. Von seinen Kompositionen wollte keiner Notiz nehmen. Zwar hatte er nach zahlreichen Bewerbungen endlich die Zusage, ab Herbst 1808 in Bamberg Theaterdirektor zu werden, doch war Hoffmann im Frühjahr des Jahres finanziell am Ende. Er schrieb voller Verzweiflung an Hippel:

“Ich arbeite mich müde und matt, setze der Gesundheit zu und erwerbe nichts! Ich mag dir meine Not nicht schildern. Seit fünf Tagen habe ich nichts gegessen als Brot, so war es noch nie. Ist es dir möglich, mir zu helfen, so schicke mir etwa 20 Friedrichsdor, sonst weiß ich bei Gott nicht, was aus mir werden soll!“

Hippel schickte Geld, zur gleichen Zeit wurde auf Initiative des Freiherr vom Stein allen durch den Krieg mit Frankreich notleidend gewordenen Beamten eine einmalige Geldzahlung gewährt.

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Herr Kapellmeister

Hoffmann zog im September 1808 gemeinsam mit seiner Frau nach Bamberg, das Töchterchen Cäcilia war zu der Zeit schon tot. Schon mit seinem Debüt als Musikdirektor im Oktober scheiterte er, bei der von ihm dirigierten Oper glänzten das Orchester mit verpassten Einsätzen und die Sänger mit falschen Tönen. Intrigen gegen ihn bewirkten ihr übriges, Hoffmann verlor die Stelle bald wieder. Theaterkompositionen waren nicht einträglich genug, so dass Hoffmann das Angebot des Verlegers der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ annahm, Musikkritiken für das Blatt zu schreiben.

Hierfür entwickelte er die fiktive Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler, der in der Zeitschrift seine Sicht der zu besprechenden musikalischen Werke darstellte. Der Kapellmeister Kreisler ist es auch, der dem Leser in den Erzählungen "Kreisleriana" und im Roman Lebensansichten des Katers Murr wiederbegegnet.

1809 erschien in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ die Erzählung über den Komponisten Christoph Willibald Gluck, „Ritter Gluck“ und brachte Hoffmann einen Achtungserfolg. Von 1810 an war Hoffmann beim Bamberger Theater als Direktionsgehilfe, Dramaturg und Dekorationsmaler beschäftigt. Nebenbei gab er privat Musikunterricht. In die blutjunge Gesangsschülerin Julie Marc verliebte Hoffmann sich so heftig, dass es in seiner Umgebung auf das Peinlichste auffiel und Julies Mutter eilends zusah, das Mädchen anderweitig zu verheiraten. Hoffmann hielt nichts mehr in Bamberg. Als er die Stelle des Musikdirektors bei Joseph Secondas in Dresden und Leipzig auftretenden Operngesellschaft angeboten bekam, sagte er zu.

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Wieder im Staatsdienst

Der Bruch mit Joseph Seconda erfolgte schon 1814, aber nach dem Sieg Preußens über Napoleon bestand für Hoffmann die Möglichkeit, in den preußischen Staatsdienst in Berlin zurückzukehren. Allerdings wurde er für seine Tätigkeit am Kammergericht noch nicht fest besoldet und bekam nur ein einmaliges Honorar, mit dem es sich mehr schlecht als recht lebte.

Deshalb freute es ihn um so mehr, dass er sich mittlerweile einen ansehnlichen Ruf als Schriftsteller erworben hatte. Die Veröffentlichung der „Fantasiestücke“ sowie des Märchens „Der goldene Topf“ waren ein Erfolg, an den Hoffmann mit der Arbeit an dem Roman „Die Elixiere des Teufels“ und den „Nachtstücken“ anknüpfen wollte. Hoffmann wurde zudem ein gefragter Autor für Taschenbuch- und Almanach-Nacherzählungen, ein Nebenerwerb, der ihn finanziell über Wasser hielt. Mit besonderem Stolz erfüllte ihn, dass seine Oper "Undine" im Nationaltheater in Berlin uraufgeführt wurde. In diesen Jahren hatte Hoffmann freundschaftliche Beziehungen zu den Schriftstellern Karl Wilhelm Contessa, Friedrich de la Motte Fouqué, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso und zum Schauspieler Ludwig Devrient.

1816 wurde Hoffmann zum Kammergerichtsrat ernannt, womit ein festes Gehalt verbunden war. Gleichwohl zog es ihn immer wieder zur Kunst, insbesondere zur Musik. Seine Bewerbungen um verschiedene Kapellmeisterstellen wurden jedoch alle zurückgewiesen.

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1819 bis 1822

Auch die Folgejahre waren von literarischen Erfolgen („Die Serapionsbrüder, „Lebensansichten des Katers Murr“, Klein Zaches, genannt Zinnober) geprägt. In diesen Jahren war in Deutschland mittlerweile eine Entwicklung in den Blick der preußischen Obrigkeit gerückt, die Missfallen auslöste. Burschenschafter und Anhänger des Turnvaters Jahn lehnten sich gegen die politischen Verhältnisse, wie sie der Wiener Kongress, der Deutsche Bund und die Heilige Allianz hervorgebracht hatten, auf. Die Folge waren Proteste und Demonstrationen. Als am 23. März 1819 der Schriftsteller August von Kotzebue, der mit seinem »Litterarischen Wochenblatt« gegen die politischen Ziele der studentischen Turnerbünde und Burschenschaften zu Felde zog, von dem Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordet wurde, wurde eine „Immediat-Untersuchungskommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ eingerichtet, deren Aufgabe die „Ausermittlung von Gefahren, die Preußen und Deutschland bedrohen“ war.

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Die Immediatkommission

Hoffmann, der als Richter gut beleumundet war, wurde als Mitglied in die Immediatkommission berufen. Zwar konnte er sich mit den Ansichten und Aktivitäten der Burschenschafter und Turnerbünde nicht anfreunden, aber er kam – wie die anderen Richter der Kommission auch – seiner Aufgabe, die Sachverhalte gerecht und rechtsförmig auszuermitteln, pflichtbewusst nach. Daneben hatte die Kommission eine weitere Funktion: Sie musste prüfen, ob die Haftgründe, die für die Festnahme von Personen vorgebracht wurden, für die weitere Haftunterbringung ausreichten. In der Folgezeit wurden zahlreiche Gutachten von der Kommission zu einzelnen „Tätern“ entworfen, u.a. war Hoffmann auch für den Fall des Turnvaters Jahn zuständig. Und in vielen Fällen urteilte die Kommission, dass die Gründe weder für eine Haft noch für eine Anklage ausreichten, weil keine rechtswidrige Tat festzustellen war. Zahlreiche Personen waren allein deswegen festgenommen worden, weil sie sich mit den Ideen der Burschenschaften und Turnerbünde identifizierten. Aber die Kommission stellte in ihren Gutachten immer wieder klar, dass eine Gesinnung allein keine strafbare Handlung ist.

Der Ministerialdirektor im Polizeiministerium, Carl Albert von Kamptz war mit den Entscheidungen der Immediatkommission höchst unzufrieden, da er eine härtere Gangart gegen die Protestler befürwortete. So sah es Kamptz im Fall des Studenten Gustav Asverus als äußerst belastend an, dass der junge Mann in seinem Tagebuch einmal das Wort „mordfaul“ notiert hatte. Für Kamptz war das ein eindeutiges Indiz dafür, dass Asverus Böses im Schilde führte, möglicherweise sogar schon derartige Taten begangen habe – denn wenn man sich an einem Tag als „mordfaul“ bezeichnet, dann ist man das an anderen Tagen vielleicht nicht. Diese Geschichte um Gustav Asverus war in der Immediatkommission bekannt und hatte wahrscheinlich zu großem Amüsement geführt, denn Hoffmann fühlte sich inspiriert, den Vorfall in seinem „Meister Floh“ zu parodieren. Dass ihm das zum Verhängnis werden würde, ahnte er nicht.

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Meister Floh

Die Geschichte, mit der Hoffmann Kamptz parodierte, ist schnell erzählt: Im vierten und fünften Abenteuer des „Meister Floh“ gerät der Protagonist Peregrinus Tyß, ein frauenscheuer Träumer, in den Verdacht, eine Frau entführt zu haben. Weil aber völlig ungewiss ist, ob eine Frau überhaupt verschwunden ist, hält der Rat der Stadt Peregrinus Tyß für unschuldig. Da taucht eine Gestalt auf, die sich mit „Geheimer Rat Knarrpanti“ vorstellt. Er ist Experte in Sachen „entführerischer Umtriebe“ und bereit, den Entführungsfall aufzuklären. Auf den Vorhalt, dass eine Tat doch erst begangen sein müsse, bevor man den Täter ermitteln könne, erwidert er selbstgewiss, „dass, sei erst der Verbrecher ausgemittelt, sich das begangene Verbrechen von selbst finde“. Man müsse nur in Erfahrung bringen, was im Kopf des Täters vorginge. Denn „das Denken sei an und vor sich selbst schon eine gefährliche Operation und würde bei gefährlichen Menschen eben desto gefährlicher“. Knarrpanti nimmt die Ermittlungen in die Hand und legt bald sehr belastendes Beweismaterial vor: Das Tagebuch des Peregrinus Tyß, in welchem dieser nach einem Besuch der Mozartschen Oper Die Entführung aus dem Serail seine enthusiasmierten Eindrücke hierüber notiert hat. Knarrpanti hat die inkriminierenden Aussagen über die „herrliche Entführung“ säuberlich zusammengefasst und sieht Tyß hierdurch überführt.

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Sinkender Stern

In seiner Stammkneipe „Lutter und Wegner“ hatte Hoffmann seinen Freunden vom vierten und fünften Kapitel des „Meister Floh“ erzählt. Es sprach sich herum – und wurde schließlich an Kamptz weitergetragen. Hoffmann wurde zwar noch gewarnt, aber sein Versuch, die zwei Kapitel aus dem längst beim Verleger in Frankfurt am Main weilenden Manuskript herausnehmen zu lassen, schlug fehl. Das Manuskript war bereits beschlagnahmt.

Es ist nicht auszuschließen, dass das preußische Polizeiministerium Hoffmann gar nicht hätte nachweisen können, dass er den Ministerialdirektor Kamptz mit der Person des Knarrpanti so dermaßen veralbert und lächerlich gemacht hat bzw. dass es Schwierigkeiten gehabt hätte, ihm aus dieser künstlerischen Verarbeitung "einen Strick zu drehen". Aber Hoffmann hatte es nicht lassen können, und seinem Peregrinus Tyß an anderer Stelle ein "mordfaul" ins Tagebuch geschrieben. Dessen nicht genug, ließ er Knarrpanti dieses ungewöhnliche Wort mehrfach dick mit Rotstift unterstreichen - wie in der Originalprozessakte durch Kamptz geschehen. Somit hatte Hoffmann einen Verstoß begangen, der keinem Richter gestattet ist: Er hatte die nicht öffentlichen Inhalte einer Prozessakte durch seine Erzählung öffentlich gemacht. An diese Pflichtverletzung knüpften seine Häscher problemlos an.

Am 4. Februar 1822 schrieb der Polizeiminister Kaspar Friedrich von Schuckmann an den preußischen Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg einen Brief, in welchem er Hoffmann als „pflichtvergessenen, höchst unzuverlässigen und selbst gefährlichen Staatsbeamten“ bezeichnete und die Verhängung disziplinarischer Maßnahmen gegen ihn vorschlug. Bei der Gelegenheit wärmte Schuckmann den Vorfall mit den Karikaturen in Posen gleich wieder auf. Die Vernehmung Hoffmanns über sein Dienstvergehen verzögerte sich allerdings immer wieder, da Hippel für seinen Freund einen Aufschub erwirkte. Hoffmann nämlich, den seit geraumer Zeit eine seltsame Krankheit plagte, war mittlerweile stark betroffen von mit der Erkrankung einhergehenden körperlichen Lähmungserscheinungen. Seine Verteidigungsschriften konnte er nur noch diktieren, da die Lähmungen bereits die Hände erreicht hatten.

In der Folgezeit diktierte Hoffmann noch einige Erzählungen, darunter „Des Vetters Eckfenster“. Am Vormittag des 25. Juni 1822 trat aufgrund der Lähmungen der Tod ein.

E. T. A. Hoffmanns Grab befindet sich auf dem Friedhof der Gemeinde der Jerusalem- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor in Berlin. Der Grabstein wurde von seinen Freunden gestiftet. Er trägt neben dem Geburts- und Sterbedatum und der Vornamensabkürzung E. T. W. (amtlich war ein E. T. A. nicht zulässig) die Inschrift:

Kammer Gerichts-Rath

Ausgezeichnet

Im Amte

Als Dichter

Als Tonkünstler

Als Maler

Sein Nachlass liegt bei der Staatsbibliothek zu Berlin und beim Märkischen Museum. Hoffmann-Sammlungen gibt es bei der Staatsbibliothek Bamberg und bei der Universitätsbibliothek München (Bibliothek Carl Georg von Maassen).

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Hoffmann und die „Obrigkeit“

Der Zusammenstoß Hoffmanns mit dem Ministerialbeamten Kamptz – es war nicht der erste, wenngleich auch der erste, bei dem Hoffmann den Kürzeren zog – kam nicht von ungefähr. Seine 1819 erschienene Erzählung „Klein Zaches, genannt Zinnober“ kündigt eine Haltung Hoffmanns zu bestimmten Formen der „Obrigkeit“ an, die fast zwangläufig in die Katastrophe um „Meister Floh“ münden musste. Dabei hatte Hoffmann gegen staatliche Organe als solche nichts, als Mitglied der rechtsprechenden Gewalt gehörte er ihnen ja selbst an. Wogegen er Widerwillen hegte, war eine Obrigkeit, wie sie Kamptz offenbar idealtypisch verkörperte: Der politische Beamte, der sich selbstverliebt in den Mittelpunkt rückt, eigene Fehlentscheidungen als solche nicht wahrnehmen will und gleich in den Angriff übergeht, wenn man ihm den Spiegel vorhält. Die Amtsbezeichnung "Geheimrat" war für politische Beamte durchaus gängig, so bezeichnet sich Knarrpanti nicht umsonst als „Geheimer Rat“. In Klein Zaches, genannt Zinnober spießt Hoffmann diese Form der Obrigkeit auf. Tragischerweise ist er es, der „ausglitscht“ auf seinem „Meister Floh“. Der Ministerialbeamte Kamptz geht nach außen hin als Sieger hervor. Der moralische Sieg indessen gebührt dem Schriftsteller: Da wird wegen zwei Kapiteln eines Büchleins ein ganzer Staatsapparat in Bewegung gesetzt, Hoffmann ist unversehens Protagonist einer unfassbaren Realsatire, die genau das zeigt, wofür er nur Verachtung übrig hatte.

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Rezeption

Hoffmanns heute bekanntes Werk ist in einer Zeitspanne von 13 Jahren entstanden. Dass er erst so spät das Bekenntnis zur Schriftstellerei wagte, ist seiner ursprünglichen Präferenz für die Musik zuzuschreiben, Hoffmann fühlte sich eher zum Komponisten berufen. Was vor 1809 an Novellen von ihm verfasst wurde, hatte er entweder nicht freigegeben oder es ist verloren gegangen. In vielen seiner Werke blieb er dem Geschmack seiner lesenden Zeitgenossen treu: Erzählungen über unheimliche Begebenheiten, Begegnungen mit dem Teufel, schicksalhafte Wendungen im Leben eines Protagonisten, denen dieser sich nicht entgegen stemmen kann. Allerdings – und das unterscheidet Hoffmann von den unbekannt gebliebenen Autoren der ausklingenden „Sturm- und Drang“-Zeit – verdichtete er seine Erzählungen virtuos zur unbeantwortet gebliebenen Frage, ob der geschilderte Spuk reell stattgefunden oder sich vielleicht nur im Kopf der betroffenen Figur abgespielt hat. Viel Zeitnahes hat Hoffmann in seine Werke integriert, so z.B. auch Ängste seiner Zeitgenossen vor der Technik. Fasziniert waren sie und misstrauisch zugleich angesichts der Entwicklung von Automaten (die damals nicht mit dem maskulinen Artikel belegt worden waren, sondern entweder „die Automate“ oder „das Automat“ hießen). Folgerichtig ist das Schicksal einiger seiner Figuren in widriger Weise mit dieser neuen Errungenschaft verbunden („Der Sandmann“, „Die Automate“).

Hoffmanns Vielseitigkeit, sein zeichnerisches Talent und auch seine Berufsausübung als Jurist, haben ihn zu einem scharfen Beobachter werden lassen. Philistertum und Borniertheit karikierte er zeichnerisch und schließlich auch in Form der Gesellschaftssatire (z.B. Klein Zaches, genannt Zinnober) - und wie recht er mit seiner Einschätzung einiger Zeitgenossen behalten sollte, zeigen die hektischen Überreaktionen des Preußischen Polizeiministerium im Anschluss an die Beschlagnahmung des Manuskripts vom „Meister Floh“.

Hoffmanns Talente sind in ihren vielfältigen Ausdrücken nie voneinander trennscharf gewesen, Musik und Schriftstellerei, beide oft verbunden mit Zeichnungen von Hoffmann, aber auch die Juristerei und das Schreiben bzw. das Zeichnen gingen häufig ineinander über. Zahlreiche seiner Erzählungen hat Hoffmann selbst illustriert. Und sogar auf dem Aktendeckel einer von Hoffmann bearbeiteten Justizakte befindet sich eine Karikatur, die zwei Amtsträger, auf Katze bzw. Hund reitend, aufeinander losgehen lässt.

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Wirken

Im Urteil der Zeitgenossen wurde Hoffmanns Werk zwiespältig aufgenommen. Johann Wolfgang von Goethe fand keinen Zugang hierzu, auch Joseph von Eichendorff verhielt sich ablehnend. Jean Paul schätzte ihn auch nur gering, nahm aber die Widmung der „Phantasiestücke in Callots Manier“ an. Wilhelm Grimm fand an der Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ zwar noch Gefallen, urteilte aber über dessen Gesamtwerk:

„Dieser Hoffmann ist mir widerwärtig mit all seinem Geist und Witz von Anfang bis zu Ende“.

Heinrich Heine und Adalbert von Chamisso verehrten ihn ebenso wie Honoré de Balzac, George Sand und Théophile Gautier. Einflüsse seiner Dichtkunst werden bei Victor Hugo, Charles Baudelaire, Guy de Maupassant, Alexander Puschkin und Fjodor Dostojewski, aber auch bei Edgar Allan Poe gesehen.

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Werke

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Literarische Werke

Romantik

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Romantik bezeichnet eine literarische und kunsthistorische Epoche zwischen 1795 und 1848. Weiterhin bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit Liebe zu erfüllen, z. B. in „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“. Wenn man von einem Mensch sagt, er besitze einen Hang zur Romantik besitzt, bedeutet das, dass er eine Vorliebe für derartige Dinge hat.

Etymologie

Der Begriff kommt ursprünglich von „in lingua romana“, in romanischer Sprache, also in den entsprechenden Ländern in der Volkssprache verfassten Schriften. Sie bildeten den Gegensatz zu den zuvor üblichen, in „lingua latina“ (Latein) geschriebenen Schriften. Aus "lingua romana" entstand der Ausdruck „Roman“, der aus dem Französischen auch zu uns kam und zu romantisch wurde.

Romantik bedeutet somit Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern. Das heißt, romantische Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was die Vorliebe für fragmentarische Schreibweise erklärt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutet zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.

Die Vertreter der Klassik fühlten sich vor allem durch die Zeitschriften der Romantiker massiv angegriffen und bezeichneten deren Literatur als fantastisch oder sogar als krankhaft.

Hintergrund

Der Romantiker geht aus von einem Bruch, der die Welt gespalten habe in die Welt der Vernunft, der "Zahlen und Figuren" (Novalis), und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine Sehnsucht nach der Heilung der Welt, nach der Zusammenführung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Hinführende Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und Märchen, die Natur etc. Ein zentrales Symbol für diese Sehnsucht oder deren Ziel ist die Blaue Blume. Die Sehnsucht richtet sich auf etwas Unbestimmtes oder Unerreichbares. Aus diesem Grunde wird sie nie befriedigt und kann um ihrer selbst willen dauerhaft genossen und ausgelebt werden.

Im Gegensatz zu der Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik und Aufklärung/ Sturm und Drang, nämlich der Erziehung des Volkes durch die Literatur, sahen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht, mystisch überhöht im Begriff des "Dichterpriesters". Eine Möglichkeit dazu bietet die Kunst, denn "die Welt hebt an zu singen/ Triffst Du nur das Zauberwort" (Eichendorff).

Die Romantiker suchten die verloren gegangene Welt in den Werken aus der "Kindheit der Menschen", also in den Märchen und Sagen, in den Volksliedern, im Mystizismus des Mittelalters. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern in dem als natürlich und wahrhaftig angesehenen Verhalten des einfachen Volkes. Volkstänze flossen z.B. in die romantische Musik ein (z. B. Franz Schubert). Die Brüder Grimm sammelten die Sagen und Märchen der mündlichen Volksüberlieferung.

Allerdings birgt die „andere Welt“ auch Gefahren. Diese Nachtseite der Romantik, geprägt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich z. B. besonders ausgeprägt bei E. T. A. Hoffmann.

Die Romantik ist auch als Gegenströmung zur Aufklärung (Vernunft) zu begreifen und daher im politischen Raum noch heute ein aktueller Begriff (Ausführungen hierzu siehe: Diskussion dieser Seite).

Eine neue Sicht auf die Romantik ermöglichte Arno Schmidt; konzentriert programmatisch zu lesen etwa in seinem Dialog über Ludwig Tieck: ‹FUNFZEHN›. Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit (1959). In: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe II, Band 2, S. 285-333. Zürich: Haffmans 1990.

Geschichtlicher Hintergrund

In der Organisation der Gesellschaft fanden durch die Industrialisierung große Umbrüche statt, die neue Maschinenwelt führte zu Verstädterung und Landflucht, ein vormaliges Idyll war für die Romantiker am Verschwinden.

Die gescheiterte Revolution in Deutschland, nach dem Vorbild der Französischen Revolution, bei der das absolutistische System, die Ständegesellschaft sowie die Macht der Kirche bestehen blieben, zeigte, dass der Wandel des "Systems" nicht mehr in oder mit der Gesellschaft stattfinden konnte.

Dies sahen die Romantiker mit ihrer individualistischen Grundeinstellung als einen Grund, um in ihrer Dichtung in Melancholie, in fantastische, unwirkliche, idyllische Welten zu fliehen und sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurück zu ziehen (Flucht aus der Wirklichkeit).

Stilmittel und Kennzeichen

Das Unterbewusstsein wird in der Literatur ausgelebt und kommt zum Vorschein.

Weder Form noch Inhalt sind festgelegt. So werden Lieder, Erzählungen, Märchen und Gedicht ineinander vermischt. Poesie, Wissenschaft und Philosophie werden miteinander verbunden.

Schlegel prägte als Literaturtheoretiker und - kritiker in der Romantik den Begriff der progressiven Universalpoesie. In der Literatur sollten nun nicht mehr wie in der Klassik bestimmte Schemata für die Erschaffung eines literarischen Werkes vorgegeben sein, sondern man betrachtete den Künstler als frei schaffendes Genie. Die Regelpoetik und die Forderungen der drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlungen verloren an Bedeutung, vielmehr wurde der Roman zum subjektiven Spielfeld des Autors. Ziel war es - nach Schlegel - Philosophie, Prosa, Poetik, Genialität und Kritik miteinander verbindend darzustellen. Aus diesen neuen Konstellationen ergab sich ein fragmentarischer Charakter mit unfertigen Handlungssträngen. Schlegel wollte damit den Werdensprozess der Dichtung betonen und meinte, dass der unvollendete Zustand einer Dichtung der Willkür und Freiheit des Dichters folge.

Der Autor steht über seinem Werk. Er kann herbeigeführte Stimmungen, Bilder oder Geschichten abrupt zerstören und übermenschlich verändern.

Ein Spezialfall romantischer Ironie sind Selbstreferenzen auf das Werk. Wenn z.B. in Theaterstücken der Held in eine ausweglose Situation gerät, aber sich sicher ist zu überleben mit der Begründung "Man stirbt doch nicht mitten im dritten Akt", ist dies ein Fall von romantischer Ironie.

Gegenstand der romantischen Sehnsucht ist das Absolute, ein Zustand aufgehobener Entfremdung, den Rousseau zuvor als 'Naturzustand' (état naturel) beschrieben hatte und dem ein unreflektiertes 'naives' Weltverständnis und Weltverhältnis entspricht. Dieser Zustand aber ist dem modernen Menschen unerreichbar geworden und kann auch durch die Kunst, die auf Reflexion beruht, nicht adäquat dargestellt werden. Jeder Versuch ihn darzustellen, greift notwendigerweise zu kurz. Das romantische Kunstwerk, das seine eigene Kritik enthalten soll, kann dieser Einsicht nur gerecht werden, indem es sich selbst ironisch hintertreibt und seine eigene 'Falschheit' (Scheinhaftigkeit) zur Schau stellt. D.h. sein zentraler Darstellungsgegenstand ist eine Sehnsucht, deren Ziel unbekannt ist, und jeder Versuch, dieses Ziel anschaulich zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Dieses Paradox muß die Kunst, will sie ihrer Aufgabe gerecht werden, aushalten.

Alte Werke werden gesammelt und neu belebt. Das Mittelalter gilt als Ideal und wird verherrlicht. Übel dieser Zeit bleiben unbeachtet.

Abschnitte der Romantik

Man unterscheidet zwischen Frühromantik (ca. 1795–1804), Hochromantik (ca. 1804-1815) und Spätromantik (ca. 1815–1848). Im Mittelpunkt steht die Idee des Gefühls und der Fantasie. In der Hochromantik unterscheidet man zwischen dem Heidelberger Kreis und dem Berliner Kreis.

Allerdings verliefen diese Phasen nicht in allen Kultursparten völlig synchron; die Spätromantik in der Musik zieht sich beispielsweise bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Beeinflusst durch die Romantik ist die Jugendbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. In neuerer Zeit finden sich einzelne Charakteristika auch in der Dark Wave- oder Gothic-Subkultur, ohne dass in beiden letzt genannten Kulturen ein direkter Nachfolger der Romantik zu sehen wäre.

Motive der Romantik

Schauplätze der Romantik

Vertreter der Romantik

Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling als Schöpfer des Deutschen Idealismus als metaphysischem Wegbereiter der Romantik.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Hector Berlioz, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Frédéric Chopin, Edvard Grieg, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Modest Mussorgski, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Richard Wagner, Carl Maria von Weber, Gustav Mahler, Anton Bruckner

Friedrich Hölderlin als Begründer der romantischen Dichtung im deutschen Sprachraum, Ernst Moritz Arndt, Bettina von Arnim, Ludwig Achim von Arnim, August Ferdinand Bernhardi, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte Fouqué, Joseph Görres, Jakob Grimm, Wilhelm Grimm, Karoline von Günderrode, Wilhelm Hauff, Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, Heinrich von Kleist, Ernst August Friedrich Klingemann, Otto Graf von Loeben, Sophie Mereau, Adam von Müller, Wilhelm Müller, Novalis, Jean Paul, Friedrich Schleiermacher, August Wilhelm von Schlegel, Friedrich von Schlegel, Ludwig Tieck, Ludwig Uhland, Rahel Varnhagen, Dorothea Veit, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Zacharias Werner, Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Zygmunt Krasiński, Cyprian Kamil Norwid.

Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix, Philipp Otto Runge, Piotr Michałowski, Joseph Mallord William Turner .

Auch Karl Friedrich Schinkel lieferte eine Reihe von Landschaftszeichnungen und Malereien sowie Architekturentwürfen, die sichtlich von der Romantik inspiriert waren. Ab den 1870er Jahren gab es in der Malerei eine Strömung, die als Neoromantik bezeichnet wird. Zu ihr zählen u.a. Moritz von Schwind und der Historienmaler Julius Schnorr von Carolsfeld.

Friedrich Carl von Savigny als Mitbegründer der Historische Rechtsschule.

 

Das Fräulein von Scuderi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann erschien 1819/21. Das Werk dreht sich um die französische Schriftstellerin Madeleine de Scudéry (1607-1701) und gilt als erste deutsche Kriminalnovelle. Auf dieser Novelle basiert die Oper Cardillac von Paul Hindemith.

Inhalt

Die Novelle spielt in Paris im Jahr 1680. Fräulein von Scuderi ist eine angesehene Schriftstellerin und kennt König Ludwig XIV.

Es geschehen viele Morde – alle haben eines gemeinsam: Die Ermordeten (meist Liebhaber) tragen ein Schmuckstück bei sich (für die Angebetete) und werden mit einem Dolchstoß ins Herz umgebracht. Das Schmuckstück wird gestohlen.

Die Liebhaber fordern den König auf, etwas gegen die Morde zu unternehmen; Scuderi, die jedoch während dieser Bitte anwesend ist, entgegnet: „Ein Liebender, der Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.“. Diese Worte gefallen dem König, deshalb gibt es keine verschärften Ermittlungen.

Ein Mann bringt nachts Schmuck in einer Schatulle mit einem Brief zum Fräulein von Scuderi. In diesem Brief bedankt sich die Mörderbande für die Worte, die die Scuderi gesagt hat. Das Fräulein ist verängstigt und bittet die Maitresse des Königs um Hilfe. Sie finden heraus, dass der Schmuck von René Cardillac, einem angesehenen Pariser Goldschmied, stammt. Auf einem Zettel des Mannes, der die Schmuckschatulle brachte, steht, sie müsse den Schmuck binnen zwei Tagen zu Cardillac bringen; sonst sei ein Leben gefährdet.

Das Fräulein von Scuderi geht aber erst nach drei Tagen zu Cardillac und sieht gerade noch, wie seine Leiche weggebracht wird. Cardillac ist durch einen Dolchstich mitten ins Herz ermordet worden. Cardillacs Lehrling Olivier Brussons, dessen Freundin Madelon die Tochter Cardillacs ist, wird verhaftet.

Das Fräulein kümmert sich um Madelon, und nach einigen Gesprächen mit ihr glaubt sie, dass Olivier unschuldig sei. Olivier ist der, der Zettel und Schmuck zuvor überbracht hat. Olivier sagt in Gegenwart der Scuderi aus, dass Cardillac der Mörder sei. Er habe ihn einmal bei einem Mord beobachtet; habe aber der Polizei nichts gesagt, weil er Angst gehabt habe, Madelon so zu verlieren. Bei einem weiteren Mordversuch sei Cardillac von einem Offizier getötet worden. Dieser Offizier sei geflohen, weil er nicht in die Morde verwickelt werden wollte. Er selbst habe die Leiche ins Haus gebracht und sei so des Mordes verdächtig worden.

Jener Offizier meldet sich bei Scuderi, die daraufhin beim König interveniert und ihn über die wahren Hintergründe des Mordes aufklärt.Daraufhin spricht der König Olivier frei, mit der Bedingung Paris verlassen zu müssen.

Detaillierte Zusammenfassung

Ein Unbekannter klopfte fortgehend an die Tür des Fräuleins und gab an, dass er Schutz suchte. Die Martiniere traute ihm zuerst nicht, aber nachdem der Unbekannte auf sie einredete, bekam sie Mitleid und öffnete die Tür. Er drang ein und verlangte, dass sie ihn zum Fräulein führe, dabei zog er einen Dolch hervor. Die Martiniere stellte sich ihm in den Weg, so dass er nicht durchkam. Es sah aus, als wollte er ihr gleich den Todesstoß geben, doch dann hörte er die Polizei. Er drückte ihr ein Kästchen in die Hand, verlangte, dass sie dies dem Fräulein übergibt und verließ das Haus. Weil Baptiste ein Angstgefühl hatte, kam er von einer Hochzeit frühzeitig zurück und wurde von der Polizei angehalten. Da er den Polizeileutnant kannte konnte er weitergehen. Als er beim Haus des Fräuleins ankam, wurde er vom Unbekannten überrannt. Die Martiniere erzählte Baptiste alles.

(Was während dieser Zeit in Paris geschah...)

Glaser, der beste Chemiker seiner Zeit, hatte versucht, Gold künstlich herzustellen. Exili, der vorgab sich mit eben diesem zu beschäftigen, wollte eigentlich die Kunst der Giftstoffe beim Chemiker erlernen und schaffte es daraufhin ein Gift herzustellen, das nach dem Tod nicht nachweisbar ist. Die Verlockung, das Gift zu verkaufen, brachte ihn ins Gefängnis der Bastille. Im selben Zimmer sperrte man den Hauptmann Godin de Sainte Croix ein. Er wurde Exilis Schüler und war bald auf dem gleichen Niveau in der Kunst der Chemie wie sein Meister. Als man Saint Croix entließ, steckte er Brinvillier an. Diese vergiftete ihren Vater, ihre Brüder und weitere Personen. Saint Croix erfand ein Gift bei dem ein Atemzug zu Tode führte und starb selber daran. Da er keine Nachkommen hatte, fanden die Gerichte sein ganzes Arsenal von Gifte und die Briefe von Brinvillier. Dadurch wurde ihr der Polizeibeamte Desgrais nachgesendet, der sie festnahm. Sie wurde umgebracht, doch das verbesserte nicht die Angst der Pariser vor dem Gift. Die Morde nahmen nur noch zu, so dass man nicht einmal seinem engsten Verwandten traute. Die Chambre ardente wurde ins Leben gerufen, die vielen Verdächtigten den Tod brachte. Als die Giftmorde seltener wurden, entbrach eine neue Welle der Gewalt, die es auf Juwelen abgesehen hatte. Desgrais war immer auf den Spuren von Verdächtigen, aber weil er sie nie ertappen konnte, geriet er in Verzweiflung. Er erzählte la Regnie, wie er jemanden gesehen hatte der Marquis de la Fare niedergeschmettert hatte und sich auf die Flucht machte. Er rannte ihm nach, und als er ihn fast hatte, da verschwand er in einer Mauer.

Ein Gedicht wurde dem König überreicht, indem man versuchte für das neue Verbrechen einen Gerichtshof zu ernennen. Von den vielen Hinrichtungen des la Reigne wurde dieser Vorschlag zu viel für den König und lehnte ihn ab, allerdings fragte er nach der Meinung des Fräuleins von Scuderi. Diese sagte zum König, dass ein Liebender, der die Diebe fürchtet, der Liebe nicht wert ist ("Un amant qui craint les voleurs n'est point digne d'amour."). Dieser Satz beeindruckte ihn sehr und er beschloss, nicht noch mehr unschuldiges Blut zu vergießen.

(Die Geschichte geht weiter...)

Als die Martiniere, am nächsten Morgen, dem Fräulein alles erzählte, übergab sie ihr zitternd das Kästchen. Die Scuderi fürchtete sich nicht vorm Inhalt und öffnete es. Sie fand ein Paar goldene, mit Juwelen besetzte Armbänder, und einen Halsschmuck. Auf dem Boden befand sich noch ein Zettel, der aus dem Kästchen gefallen war. Das Fräulein hebte ihn auf, las ihn und fiel zu Boden. Auf dem Zettel stand der Satz, den sie beim König gesagt hatte, mit Beisatz, dass sie der Scuderi sehr dankbar seien, dass sie sie vor großer Verfolgung errettet habe und dass sie ihr diesen kostbaren Schmuck schenken wollen, unterschrieben mit: Die Unsichtbaren. Unerfreut über diesen Brief ging die Scuderi zur Marquise de Maintenon und nahm das Kästchen mit. Diese erklärte ihr, dass dieser Schmuck nur von René Cardillac angefertigt sein konnte. Darauf holten sie ihn zu sich und fragten ihn, für wen er ihn gemacht habe. Er erwiderte, dass er für sich sei und dass er ihm kürzlich gestohlen wurde. Aber dann wollte er ihn dem Fräulein schenken und meinte, es sei für sie bestimmt. Sie lehnte den Schmuck ab, wurde aber von der Maintenon überzeugt ihn anzunehmen. Cardillac küsste ihr die Füße und rannte wild davon. Nach Cardillacs wunderlichem Abgang scherzte die Maintenon, dass der Goldschmied in das Fräulein von Scuderi verliebt sei. Diese war sich aber gewiss, dass sie den Schmuck niemals tragen werde.

Einige Monate später, als das Fräulein in einer Glaskutsche über den Pontneuf fuhr, drang sich der Unbekannte, der damals das Kästchen überbracht hatte, durch die Schaulustigen, die die Kutsche beobachteten und übergab dem Fräulein einen Zettel, auf dem stand, dass sie den Schmuck unbedingt binnen zwei Tagen zu Cardillac zurückbringen solle, um ein Leben zu retten. Überzeugt, dass sie ihm den Schmuck zurückgeben würde, ging sie allerdings zu spät zu ihm. Dort angekommen war eine große Menschenmenge versammelt. Ein junges Mädchen schrie „Er ist unschuldig!“. Desgrais erzählte dem Fräulein, dass Cardillac von seinem Handwerksgehilfen Olivier Brusson mit einem Dolch ermordet wurde und dass das Mädchen Cardillacs Tochter und gleichzeit die Geliebte von Brusson sei. Brusson, der sich in der Werkstatt aufhielt, wurde von der Polizei verhaftet. Sie war durch das Verhalten Brussons und dessen Geliebte von seiner Unschuld überzeugt und hatte Mitleid mit den beiden. Brusson erzählte, dass Cardillac in seiner Gegenwart ermordet wurde, ihn darauf nach Hause schleppte und wegen des Polterns und lauten Weinens die Aufmerksamkeit der Nachbarn erweckte, die dann die Polizei riefen. Nach einer Erkundigung bei diesen über das Verhältnis vom Cardillac gegenüber Brusson war das Fräulein von der Unschuld überzeugt. Währenddessen behauptete Brusson vor der Chambre ardente, nicht Cardillacs Mörder zu sein und sagte dasselbe aus wie Madelon. Völlig überzeugt, wendete sich das Fräulein la Regnie zu, um ihn auf Brussons Unschuld aufmerksam zu machen. La Regnie war von Brussons Schuld überzeugt und zählte dem Fräulein alle Beweise auf, die eindeutig gegen ihn sprachen. Er erwähnte auch, dass seit Brusson festgenommen wurde alle Beraubungen aufgehört hatten. Sie konnte es nicht glauben und bat den Schuldigen zu sehen. Diesen Wunsch gewährte er ihr, doch als sie ihn sah, erkannte sie in ihm den Unbekannten, fiel in Ohnmacht und wollte als sie wieder aufwachte sofort nach Hause. Sie war jetzt von seiner Schuld überzeugt und wies Madelon ab, als diese sie anflehte Brusson zu helfen. Das Verhalten Madelons ließ sie wieder zweifeln an der Richtigkeit ihrer Überzeugung. Das Fräulein erhielt eine Bitte, dass Brusson sie sprechen möchte und ihr alles gestehen wolle. La Regnie überredete sie, so dass sie einwilligte. Von der Polizei hergebracht, kniete Brusson vor ihr nieder und flehte sie an, ihm zu helfen. Er erzählte ihr, dass er der Sohn ihrer Pflegetochter sei. Sie war tiefstbetroffen, denn sie war es, die ihn auf den Schoss schaukelte und wie einen Abgott hätschelte, bis seine Familie nach Genf zog. Seinem Vater gelang es, ihn bei einem Goldschmied unterzubringen. Kurz darauf starben seine Eltern. Ein Fremder, der in die Werkstatt kam, sah die Arbeit Brussons an und lobte ihn. Er meinte, dass er nur noch von Cardillac etwas lernen könnte. Beeindruckt von dieser Aussage zog Brusson nach Paris und fand eine Stelle bei Cardillac. Als er zum ersten Mal die Tochter seines Meisters sah, verliebte er sich unsterblich in sie. Der Meister duldete dies allerdings nicht und warf ihn hinaus. Olivier musste umziehen, hatte aber solche Sehnsucht nach Madelon, dass er eines Nachts zu Cardillacs Haus zurückkehrte in der Hoffnung seine Liebe zu sehen. Gegen Mitternacht ging in der Werkstatt Licht an und kurze Zeit später sah er Cardillac aus einem Geheimausgang, der durch eine Mauer führte, heraustreten. Brusson folgte ihm und wurde Zeuge eines Mordes von Cardillac an einem Passanten. Er erzählte alles der Polizei, die kurz darauf eintraf, ohne den Namen des Mörders zu nennen. Panik erfasste Brusson, als Cardillac gleich nach dem Mord sein Zimmer betrat. Er bat ihm seine alte Arbeit wieder an und erklärte, dass er ihm und seiner Tochter fehle. Den Mord erwähnte er dabei nicht, außer dass er ihm befahl, nicht zur Polizei zu gehen, denn das würde ihm selber schaden. Cardillacs Nachgiebigkeit hat er Madelon zu verdanken, die krank vor Liebe wurde. Als Brusson in seiner Erzählung stockte, rief das Fräulein, wie entsetzlich es sei, dass Cardillac zu der Mordbande gehöre. Brusson erklärte ihr, dass es keine Mordbande gebe und es alles nur Cardillacs Verbrechen wären. Er fuhr mit seiner Erzählung fort. Immer wenn er mit seinem Meister in der Werkstatt war, schaute er ihn kaum an und redete fast nicht. Nur Madelons Liebe hielt ihn noch aufrecht. Diese wusste nichts von den üblen Taten ihres Vaters. Da Cardillac dachte, dass es so nicht weiter gehen könnte, beschloss er, Brusson alles zu erzählen. Er erklärte, dass, als seine Mutter mit ihm im ersten Monat schwanger war, sie einen Mann traf, der ihr wegen seiner Juwelenkette, die sie nicht mehr aus den Augen lassen konnte, gefiel. Als die beiden einander näher kamen, wollte sie seine Juwelenkette berühren, doch er fiel vom Tod erfasst zu Boden. Dieses Erlebnis hatte zur Folge, dass seine Mutter erkrankte und man ihr wenig Hoffnung gab, dass die Geburt ohne Probleme verlief. Sie wurde aber wieder gesund und Cardillac wurde geboren. Allerdings hatte dieses Ereignis zur Folge, dass er Gold und Diamanten über alles liebte und Goldschmied wurde. Da er seine Werke so liebte, stahl er sie bei den Reichen zurück. Er sagte, dass es sein "böser Stern" war, der ihn dazu verleitete. Dann kaufte er sich ein neues Haus, dass einen Geheimeingang hatte, der von Mönchen angelegt wurde. Cardillac kamen finstere Pläne in den Sinn und er ging, von seinem bösen Stern geplagt, Reiche erdolchen, um ihren Schmuck zu rauben. Dies schaffte ihm eine Befriedigung und so nahmen die Morde ihren Lauf. Er musste einmal ein Schmuckstück für Henriette von England anfertigen, war aber so verliebt in das Stück, dass er sie umbrachte und es um seine Ehrfurcht zu zeigen, dem Fräulein von Scuderi schenkte. Sein böser Geist quälte ihn wieder und wollte das Prachtstück zurückhaben. Darum warf Brusson den Zettel in die Kutsche vom Fräulein mit der Bitte, dass sie den Schmuck zurückgebe. Überzeugt davon, dass Cardillac noch in derselben Nacht den Schmuck zurückhaben wollte, wartete er auf der Straße, als Cardillac durch den Geheimgang kam und zur Wohnung vom Fräulein lief. Als ein Offizier die Straße entlang ging, sprang Cardillac auf ihn los, wurde aber selber niedergestochen und durch den Dolch des Offiziers tödlich verletzt und fiel zu Bode. Brusson wollte den Tod vermeiden, aber der Offizier hielt ihn für einen Komplizen und wollte ihn bekämpfen. Als er aber sah, dass Brusson nur den am Boden liegenden untersuchen wollte, rannte er davon. Danach schleppte Brusson Cardillac nach Hause.

Das Fräulein war tiefstbeeindruckt von seiner Heldentat und Brusson erkannte, dass der einzige Fehler darin lag, dass er Cardillac der Polizei nicht überlieferte. Madelon wurde hereingelassen, fiel ihm gleich um den Hals und war überzeugt, dass das Fräulein ihn retten würde. Diese schrieb darum einen Brief an la Regnie, der aber nichts erreichte. Sie kam auf die Idee den besten Rechtsanwalt anzustellen, Arnaud d’Andilly. Ohne Brussons Geheimnis zu verletzen, erzählte sie ihm alles. Der Anwalt sagte ihr allerdings, dass alle Beweise gegen ihn sprachen und dass das Wahre nicht immer wahrscheinlich sein muss. Als sie am Abend alleine zu Hause war, überlegte sie sich, was sie sonst noch für Brusson tun könnte, als plötzlich der Graf von Miossens eintraf. Er erzählte ihr, dass er es war, der Cardillac erstochen hatte und dass er an diesem Tag ein Panzer trug, der ihn von Cardillacs Dolchstich schützte. Ganz entsetzt fragte das Fräulein, wieso er dies, um die Anklage ins Licht zu bringen, nicht erwähnte hatte. Er meinte, dass er zu viel Angst hatte, selbst verurteilt zu werden. Beide gingen zu d'Andilly um Rat zu suchen. Dieser sah vor, dass der Miossens aussagen und dass das Fräulein dem König Besuch erstatten und um Gnade bitten solle. Die Aussage von Miossens brachte eine Verzögerung, die das Fräulein nutzte, um mit dem König zu sprechen. Sie kleidete sich elegant und benutzte den Schmuck von Cardillac und den König zu beeinflussen. Sie schilderte dem König den ganzen Fall in allen Details und flehte auf den Knien um Gnade für Brusson. Der König sagte ihr, dass man auf die Entscheidung der Chambre ardente warten müsse. Das Volk hatte inzwischen vom ganzen Fall erfahren und bat um die Freilassung Brussons. Lange hörte das Fräulein nichts mehr vom Fall, bis der König sie wieder zu sich riefen ließ. Er verkündigte ihr die frohe Botschaft, dass Brusson ein freier Mann sei, aber wünschte, dass er und seine Geliebte aus Paris fortgingen. Die gestohlenen Juwelen wurden ihren Besitzer übergeben und der Rest ging als Spende an die St. Eustache Kirche.

Personenkonstellation

Magdaleine von Scuderi, René Cardillac und Olivier Brusson bilden zusammen die Hauptfiguren der Novelle. Scuderi und Cardillac sind für die Romantik typische Charaktere. Beide sind Künstler, allerdings in unterschiedlichen Arten der Kunst mit einem unterschiedlichen Publikum.

Die Künstlerfigur (René Cardillac)

Die Künstlerfigur (Magdaleine von Scuderi)

Verhältnis Scuderi <-> Cardillac

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819)

... gehört zu einer Sammlung von 19 Erzählungen, Novellen und Märchen, die 1819-21 in vier Bänden unter dem Titel "Die Serapionsbrüder" in Berlin erschienen. Am Tag des heiligen Serapion (14. November 1818) trafen Hoffmann und seine Schriftstellerfreunde ("Brüder") nach langjähriger Pause wieder zusammen (Adalbert von Chamisso war von einer dreijährigen Weltreise zurückgekehrt), dieses Ereignisse inspirierte E.T.A.Hoffmann zum Titel und zur Fertigstellung seiner Sammlung. Die Serapionsbrüder tragen sich gegenseitig die Geschichten vor.

Die Ereignisse um das Fräulein von Scuderi gehen auf historische Vorgänge zurück, welche von Voltaire in seinem "Siècle de Louis XIV." (1751) und von Johann Christoph Wagenseil (1633-1705) in dessen Chronik der Stadt Nürnberg berichtet werden.

Die Erzählung erschien zuerst 1820 im "Taschenbuch für das Jahr 1820. Der Liebe und Freundschaft gewidmet" und soll so erfolgreich gewesen sein, dass die Verleger dem Autor eine Kiste mit 50 Flaschen Wein (Jahrgang 1811!) zusandten.

 

Louis XIV., König von Frankreich.
Graf Miossens.
Serons, ein berühmter Arzt in Paris,
        der Scuderi Hausfreund
.
Degrais, Polizeileutnant von Paris.
Bontems, Louis' Kammerdiener.
René Cardillac, ein Goldschmied in Paris.
Olivier Brusson, sein Geselle.
Meister Martin, ein Maler.
Meister Lejean, ein verarmter Goldschmied.
Baptiste, der Scuderi Kammerdiener.
Jérome, Bedienter des Grafen Miossens.
Fräulein von Scuderi.
La Martinière, ihre Kammerfrau.
Madelon, Cardillacs Tochter, Brussons Braut.
Caton, Haushälterin Meister Claude Patrus,
        des Mietsmanns in Cardillacs Haus
.
Gendarmen.

Das Stück spielt in Paris, anfangs des achtzehnten Jahrhunderts.